Die Römer interessierten sich nicht besonders für diese Region ihres Reiches. Sie war schwer erreichbar und unfruchtbar. Zwar wurde sie kurzzeitig administrativ mit dem Wallis und Räthien (Bündnerland) vereinigt, da es die natürliche Verbindung dieser beiden Regionen war, doch nach kaum 30 Jahren wurde das Tal wieder der „Stein-Zeit“ überlassen. Als die Langobarden um 500 nach Christus die fruchtbare Poebene den Römern abnahmen und mehr oder weniger deren Ende Besiegelten, kamen sie auch nur bis knapp ins Tessin, zu unwirtlich war es ihnen in den Bergen.
Nach und nach wurde Europa Christlich, nur die Bergregionen, trotz ihrer Nähe am Himmel blieben verschont. Die Herren von Disentis, Kirchenmänner ehrfürchtigen Glaubens, liessen im Sommer nach und nach ihre Untertanen mit Vieh die Berge erobern, über den Pass gehen und die Weiden im Urserental bestossen. Der Weg war lang und das Tal voller Bären, weshalb es Ursera genannt wurde, das Bärental. Natürlich musste eine Kirche her, mit einem heiligen Mann, um die Seelen zu beschützen. Am Fusse des Oberalp, bei der heutigen Kaserne, wurde um 900 die erste Weihstätte gegründet. Die Kirche in „De Prato“ war allerdings nur im Sommer besetzt, bis dann gegen 1200 die Walser kamen.
Das Kloster Disentis hatte schon lange eine gute Beziehung zum Goms, obwohl sie sich verschiedener Sprachen bedienten. Beide hatten ein Problem und sie konnten sich gegenseitig helfen. Die Kirche wollte die Berge mit christliche Seelen bevölkern, vielleicht gar dem Teufel abringen, doch die Räthische Befölkerung hatten dazu keine Lust. Diese blieben lieber im Talboden wo das Leben zwar nicht einfach, doch aber nicht gefährlich war. Die Walser auf der anderen Seite(wörtlich wie auch Sinnbildlich), ursprünglich aus dem heutigen Berner Oberland, hatten viele Kinder und eine etwas ungewöhnliche Erbfolge. Sie waren absolut gerecht so dass jedes Kind denselben Anteil an Land für seinen Unterhalt bekam. Das hatte zur Folge, dass der Besitz immer mehr aufgesplittert wurde und oft an verschiedensten Orten im Dorf verteilt war. Die jungen Leute hatten viel Mühe genug Land zu bekommen um ihre zukünftige Familie zu ernähren, so dass sie oft erst im hohen Alter von gut dreissig Jahren heiraten konnten.
Die hohen Herren von Disentis boten ihnen Land an, nicht besonders gutes, aber es war viel Land. Und die Walser wussten wie man Wasser von den Gletschern durch abwegiges Gelände zu ihren Äckern und Gärten führen konnte. Sie Siedelten in der Folge in vielen Gebieten Norditaliens, der Schweiz und Oestreichs welche von der einheimischen Bevölkerung verschmäht wurde: Nordhänge und eher hoch gelegen für damalige Verhältnisse.
Die Walser wussten wie man Wasserkanäle entlang von Felsen bauten, die Suonen oder Bisse wie sie im welschen Teil des Walis genannt werden. Mit dieser Technik war es möglich die Schöllenen zu erschliessen. Zwar kamen immer wieder Leute über den Bätzberg hoch, doch die „Wanderung“ war extrem schwierig. Im Hochmittelalter konnte man noch keine Ketten feuerschmieden, was für eine Kettenbrücke oder etwas in der Art unabdingbar gewesen wäre. Der Schmied von Göschenen war also bestimmt nicht daran beteiligt wie im Volksmund erzählt wird. Genauso wie diese Technik mit dem Ende des römischen Reiches verloren ging, wussten die Leute auch nicht mehr wie man Steinbrücken baute. Die Erste Brücke war also mit aller grössten Sicherheit aus Holz. Aber es war ein Meisterwerk seiner Zeit. Beim heutigen Urnertor, wo jetzt ein Tunnel parallel zur Reuss durch den Felsen führt, haben sie dem Felsen entlang einen Steg erbaut, auf in den Fels getriebenen Holzträgern, etwas weiter unten dann die Teufelsbrücke.
Der Teufel war natürlich immer mit von der Partie, was würde das Licht ohne Schatten machen. Wann immer etwas Gutes geschah zog der christliche Mensch Gott und Heilige mit ins Spiel. Eigenartigerweise war es dann immer der Teufel und nicht Gott welcher den Menschen in Bedrängnis half. Der Preis war immer hoch, doch der Mensch war klug und gerissen und konnte, wo die materiellen Fähigkeiten seine Macht überstieg sich mit Einfallsreichtum weiter helfen . Wollte Gott etwa den Menschen prüfen, ob er das Böse übertölpeln vermochte? Tatsche ist, dass in Europa dutzende von Geschichten kursieren, wo der Teufel geholfen hatte eine Brücke zu erbauen um vom Menschen dann sogleich und ohne Skrupel rein gelegt zu werden. Mal war es ein Hund mal ein Geissbock wie in unserem Fall, der als Belohnung her halten musste, doch stets triumphiert der Mensch. Eine Frage bleibt, wie konnte man ein Tier taufen um ihm eine Seele zu geben, der Teufel wollte ja die erste Seele welche die Brücke überquerte, denn nur Gott kann eine Seele einhauchen. Dies war Frevel. Übrigens, eine Frau konnte man auch nicht über die Brücke schicken, denn nach damalig häufiger Ansicht besassen dies auch keine Seele…
Das Tal war zu jener Zeit wahrscheinlich bereits nicht mehr stark bewaldet und war im Winter entsprechen Lawienen gefährdet. Deshalb versetzen die Walser ihr Dorf an den heutigen Standort, wo noch ein Bannwald bestand. Der Name blieb,vom Räthischen "De Prato" wurde "An der Matt" (Matt = Wiese). Übrigens auch Zermatt hat diese Bedeutung, zer bedeutet "zur".